Am Rande der Stadt
22. Mai 2008 um 16:58 - winter*kind | TB-Link | 1 Kommentar
bin ich aufgewachsen – mehr auf dem Land als in der Stadt. An meiner alten Schule hatte sich jemand die Mühe gemacht hat, die ‘Historie’ eines der ältesten Parthendörfer aufzuschreiben… und dass ich die jetzt hier übernehme, liegt an einem aktuelleren Blogeintrag…
Der Ort Portitz entstand vor etwa 1500 Jahren im 6. Jahrhundert am Abhang zum Parthental als slawische Siedlung. Urnen- und Gefäßfunde im Gelände des ehemaligen Schulgartens belegen das.
Ausgegrabene Steinwerkzeuge deuten darauf hin, dass bereits in der Steinzeit vor 4000 bis 5000 Jahren Finnen und Kelten hier gewohnt haben, später auch Franken und Sachsen. Der slawische Ursprung wird durch die Namensendung “itz” erklärt und könnte den Besitz eines Boris oder Borin bezeichnen. In der Chronik des Merseburger Bistums wird ein Ort Borian erwähnt, den Kaiser Otto II. dem Bischof Gieseler geschenkt hatte.
Die Orte der Umgebung gehörten zu jener Zeit zum Bistum Merseburg. Um 900 drängten christliche Sachsen die Sorben zurück und bauten auf deren Opferplatz eine erste Kirche – eine Holzkirche. Auf diesem Platz steht auch die heutige Portitzer Kirche.
Das älteste Zeichen dieser Kirche ist die um 1440 gefertigte Holzfigur der Mutter Maria mit dem Christuskinde auf dem Arm. Sie blieb auch nach dem Jahre 1537 stehen, als aus der katholischen eine evangelische Kirche wurde.
Die erste schriftliche Aufzeichnung vom Ort Portitz stammt aus dem Jahre 1602 aus dem von Diakonus Martin Bender angelegten Kirchenbuch. Dieses berichtete auch vom großen Ungemach, das Portitz im Dreißigjährigen Krieg erleiden musste. Seit 1639 wüteten Soldaten im Ort und steckten 1642 das Rittergut und 13 Gehöfte in Brand. Die Pest raffte 1637 jeden dritten Einwohner dahin.
Portitz war seit dem Mittelalter ein reines Bauerndorf mit 16 Bauernhöfen und einem Rittergut. Die Bauern mussten an den Besitzer des Gutes Abgaben in Form von Backofenzins und Spundgeld sowie bis zum Jahre 1830 Frondienste leisten. Die Ritter von Portitz übten eine eigene Gerichtsbarkeit aus, waren aber wiederum den Herren aus Taucha lehnpflichtig.
Mitte des 16. Jahrhunderts besaß das Rittergut Heinrich von Leutzsch. Ab 1646 hieß der Besitzer David Döring. 1718 ging das Gut an den Rat der Stadt Leipzig über. In dieser langen Zeit hatte die Einwohnerzahl von Portitz wahrscheinlich 80 bis 100 betragen. Um 1800 stieg sie langsam an. So wurden 1801 genau 134 Einwohner gezählt, 1820 bereits 180 und im Jahre 1850 etwa 250.
Das Aufblühen der Industrie nach 1870 bewirkte auch in Portitz einschneidende Veränderungen. Von den 16 Bauern verkauften die meisten ihren Besitz, so dass nach der Jahrhundertwende nur noch drei Landwirte übrig waren.
Der Ort entwickelte sich infolge seiner Stadtnähe zu einer Wohngemeinde für Industriearbeiter und kleine Beamte. Die ehemaligen Bauernhöfe wurden in Wohnungen umgewandelt und die ersten Arbeiterhäuser an der Verlängerung der Dorfstraße neben dem Armenhaus gebaut.
Um 1900 entstanden weitere Häuser an der Straße von Thekla nach Taucha. Die erste Siedlung entstand nach dem Ersten Weltkrieg 1921/22 hinter dem Dorfe. Zwei Jahre später wurden das Gemeindeamt und 1930 die Gemeindehäuser an der Straße nach Graßdorf gebaut.
Die Einwohnerzahl stieg beträchtlich: Sie verdoppelte sich von 300 Bewohnern 1870 auf über 600 im Jahre 1910. Im Jahre 1930 betrug die Einwohnerzahl 800. Nach Verhandlungen zwischen der Gemeinde Portitz und dem Siedlerverband der Amtshauptmannschaft Leipzig in den Jahren 1932/34 konnten sich viele Leipziger Siedlerfamilien auf kleinen preisgünstigen Grundstücken in Portitz in einer “vorstädtischen Kleinsiedlung” Eigenheime errichten.
Die Gemeinde Portitz stellte für die ersten 100 Siedler das 10 ha große Flurstück Nr. 17 bereit, die Stadt Leipzig das ihr gehörende Flurstück Nr. 135 auf Portitzer Flur. Das hatte spürbare Folgen für die Vergrößerung der Einwohnerzahl und die Anzahl der Schulkinder.
Eine neue Situation entstand für die Gemeinde im Jahre 1935. Nach längerer Vorbereitung seit Dezember 1928 (anfangs noch gemeinsam mit Plaußig) wurde mit dem “Einverleibungsvertrag” vom 1. April 1935 “… die politische Gemeinde Portitz mit der politischen Gemeinde Leipzig” vereinigt. Dazu war bereits am 23. März 1935 das Ortsgesetz über die Vereinigung der Gemeinde Portitz mit der Stadtgemeinde Leipzig unterzeichnet worden.
Für den Rat der Stadt Leipzig unterzeichnete Oberbürgermeister Dr. Goerdeler den Vertrag, für den Gemeinderat zu Portitz Bürgermeister Emil Steinert. Die offizielle Verfügung und der Vollzug erfolgte am 15. Mai 1935 durch den Sächsischen Staatsminister des Innern, Herrn Dr. von Burgsdorff.

[...] wir mal eben einen schnellen Themenwechsel – und liefern einen Schmunzeleintrag: Das Mädel vom Land ist [...]